Du möchtest deine Webagentur wechseln oder den Vertrag auflösen, weißt aber nicht genau, worauf du achten musst? Das ist häufiger als du denkst. Viele Verträge enthalten Klauseln, die ohne genaues Lesen zur Kostenfalle werden. Diese Anleitung zeigt dir, wie du den Wechsel sauber und souverän abwickelst.
Schritt 1: Kündigungsfristen im Vertrag prüfen
Bevor du irgendetwas unternimmst, lies deinen Agenturvertrag sorgfältig. Achte besonders auf folgende Punkte:
- Mindestvertragslaufzeit: Viele Verträge haben eine Erstlaufzeit von 12 oder 24 Monaten.
- Kündigungsfrist: Üblich sind 4 bis 12 Wochen zum Monatsende oder Quartalsende.
- Automatische Verlängerung: Kündigst du nicht rechtzeitig, verlängert sich der Vertrag oft automatisch um weitere 12 Monate.
- Sonderkündigungsrecht: Grobe Pflichtverletzungen, z. B. dauerhafter Erreichbarkeit oder fehlende Berichte, können ein Sonderkündigungsrecht begründen.
Notiere dir das frühestmögliche Kündigungsdatum und setze dir eine Erinnerung, bevor die Frist abläuft.
Schritt 2: Schriftlich und nachweisbar kündigen
Mündliche Kündigungen zählen nicht. Kündige immer schriftlich, und zwar so, dass du einen Nachweis hast:
- E-Mail mit Lesebestätigung oder expliziter Antwort der Agentur
- Einschreiben mit Rückschein bei wichtigen oder strittigen Fällen
- Betreff klar formulieren: "Kündigung des Agenturvertrags vom [Datum], Kundennummer [XYZ]"
Formuliere die Kündigung sachlich und ohne Vorwürfe. Erwähne den gewünschten letzten Vertragstag und bitte um schriftliche Bestätigung der Kündigung.
Schritt 3: Zugänge und Assets zurückfordern
Das ist der kritischste Teil. Du hast ein Recht auf alle Zugänge und Materialien, die zu deinem Projekt gehören. Fordere schriftlich und vor Vertragsende folgendes zurück:
- Domain-Zugangsdaten und DNS-Verwaltung (falls die Domain bei der Agentur liegt: Transfer fordern)
- Hosting-Zugänge (FTP, SSH, Adminpanel)
- CMS-Adminzugang (WordPress, TYPO3 usw.)
- Google Analytics, Google Search Console, Google Ads
- Social-Media-Zugänge
- Alle Grafiken, Texte, Quellcode und Projektumdokumentation
Setze eine klare Frist, z. B. 14 Tage nach Kündigungsbestätigung. Mehr dazu, warum der Domain-Transfer so wichtig ist, liest du in unserem Artikel Domain beim Agentur-Wechsel behalten.
Schritt 4: Übergabe sauber dokumentieren
Erstelle nach der Übergabe eine Checkliste, in der du jeden erhaltenen Zugang abhakst. Teste jedes Login sofort, bevor du der Agentur die Abnahme bestätigst. Falls Zugänge fehlen oder geändert sind, kannst du dies als Pflichtverletzung geltend machen.
Wenn deine aktuelle Agentur sich bei der Übergabe quer stellt oder gar nicht mehr reagiert, hilft dir der Artikel Was tun, wenn die Agentur sich nicht mehr meldet? weiter.
Checkliste: Kündigung auf einen Blick
- Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist geprüft
- Kündigungsdatum berechnet und notiert
- Schriftliche Kündigung verschickt (E-Mail oder Einschreiben)
- Bestätigung der Kündigung erhalten
- Liste aller zurückzufordernden Zugänge erstellt
- Frist für Übergabe gesetzt
- Alle Logins nach Erhalt getestet
- Übergabe schriftlich bestätigt
Was tun, wenn die Agentur nicht kooperiert?
Leider kommt es vor, dass Agenturen Zugänge zurückhalten, als Druckmittel für offene Rechnungen. Kläre zunächst, ob tatsächlich Forderungen offen sind, und reguliere diese, wenn berechtigt. Verweigert die Agentur die Herausgabe ohne rechtliche Grundlage, steht dir der Klageweg offen. Ein Anwalt für IT-Recht kann hier schnell helfen, oft reicht schon ein Anwaltsschreiben.
Mit rocks.optimize bekommst du beim Agentur-Wechsel Unterstützung: Wir prüfen deinen technischen Stand, übernehmen Zugänge geordnet und sorgen dafür, dass keine Rankings verloren gehen.
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